{"id":15535,"date":"2026-07-10T11:56:51","date_gmt":"2026-07-10T09:56:51","guid":{"rendered":"https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/?p=15535"},"modified":"2026-07-10T12:59:18","modified_gmt":"2026-07-10T10:59:18","slug":"ist-das-noch-okay","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/2026\/07\/10\/ist-das-noch-okay\/","title":{"rendered":"\u201eIst das noch okay?\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong><strong>Projekttagebuch des Film- und Theaterworkshops<\/strong><\/strong><\/h2>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Gymnasium \u201eBertolt Brecht\u201c Bad Freienwalde<\/strong><br><strong> in Kooperation mit den Oberbarnimschulen Eberswalde<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Vor dem ersten Tag<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen einer Projektwoche setzen sich das Bertolt-Brecht-Gymnasium (Bad Freienwalde) und die Oberbarnimschulen (Eberswalde) unter dem Titel \u201eIst das noch okay?\u201c szenisch mit dem Thema <strong>Diskriminierung im Schulalltag<\/strong> auseinander. Ausgangspunkt des Projekts ist eine Umfrage zum gleichen Thema, die von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern sowie von Lehrerinnen und Lehrern der AG \u201eSchule ohne Rassismus, Schule mit Courage\u201c des Bertolt-Brecht-Gymnasiums entwickelt und im Vorfeld an beiden Schulen durchgef\u00fchrt wurde. Die Auswertung der Umfrage pr\u00e4gt die inhaltliche Ausrichtung der kreativen Projektarbeit und soll dazu beitragen, auf Diskriminierung im schulischen Alltag aufmerksam zu machen und die Schulgemeinschaft f\u00fcr dieses Thema zu sensibilisieren. Als Ergebnis des Projekts entstehen eine Videopr\u00e4sentation sowie eine Theaterperformance, in denen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre Erkenntnisse und Erfahrungen szenisch darstellen. Die Projekttage finden im Wechsel an beiden Schulen statt und f\u00f6rdern zugleich den sozialen Austausch zwischen den Jugendlichen \u00fcber die Ortsgrenzen hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 1<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Klipp \u2013 Klapp \u2013 Zosch \u2013 Boing \u2026 schallt es durch den Raum. B\u00e4lle fliegen von rechts nach links. Und von links nach rechts. Der erste Projekttag beginnt am Gymnasium in Bad Freienwalde mit einer Kennenlernrunde, bei der sich die Teilnehmenden mithilfe interaktiver Spiele begegnen, Namen lernen und die Gruppen durchmischt werden. Anschlie\u00dfend werden die Ergebnisse der Umfrage diskutiert und besonders auff\u00e4llige Erkenntnisse herausgearbeitet. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass die Toiletten f\u00fcr viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler als einziger R\u00fcckzugsort dienen und Diskriminierungen nicht nur von Jugendlichen, sondern teilweise auch von Erwachsenen ausgehen. Verschiedene Schauspiel\u00fcbungen, darunter die Darstellung ausgew\u00e4hlter Ergebnisse in Form von Prozentwerten, Blick- und Vertrauens\u00fcbungen, st\u00e4rken die Zusammenarbeit innerhalb der gemischten Gruppen. Anschlie\u00dfend werden ein Ausschnitt des Dramas \u201eFreie Sicht\u201c von Marius von Mayenburg szenisch gelesen und Orte, die mit Diskriminierungserfahrungen assoziiert werden, fotografisch festgehalten. Zum Abschluss lernen die Teilnehmenden den jungen Filmemacher Samuel Rashed kennen, der neben der Schauspielerin Astrid Rashed das Projekt filmisch begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits am ersten Projekttag entstehen \u00fcber die Schulgrenzen hinweg erste Kontakte. Die Jugendlichen kommen miteinander ins Gespr\u00e4ch, entdecken gemeinsame Interessen und stellen fest, dass viele ihrer Erfahrungen unabh\u00e4ngig von Schule oder Alter \u00e4hnlich sind. F\u00fcr einige ist bereits jetzt sp\u00fcrbar, dass dieser Workshop mehr werden k\u00f6nnte als eine Projektwoche \u2013 ein Ort, an dem Erfahrungen ausgesprochen werden d\u00fcrfen, ohne bewertet zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 2<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Projekttag startet dieses Mal in Eberswalde mit einem kurzen Blitzlicht zu Lieblingsfilmen. Im Anschluss werden Orte an den Oberbarnimschulen fotografisch festgehalten, die mit Ausgrenzungserfahrungen verbunden werden. Aus dieser Arbeit entsteht die Idee f\u00fcr den Kurzfilm \u201ePiss Dich!\u201c. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler entwickeln die Geschichte, die Dialoge und die einzelnen Szenen gemeinsam. Auch Kameraarbeit, Bildgestaltung und die Vorbereitung der Dreharbeiten \u00fcbernehmen sie zunehmend eigenst\u00e4ndig und erleben dabei, wie ihre eigenen Ideen filmisch Gestalt annehmen. Erz\u00e4hlt wird eine Situation w\u00e4hrend einer Gruppenarbeit im Unterricht, in der Ausgrenzung und verbale Dem\u00fctigung scheinbar beil\u00e4ufig entstehen und dennoch nachhaltige Wirkung entfalten. Dabei steht insbesondere die realit\u00e4tsnahe Darstellung diskriminierender Situationen sowie deren Wirkung auf Betroffene im Mittelpunkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler erleben dabei zum ersten Mal, dass sie ihre eigenen Erfahrungen nicht nur erz\u00e4hlen, sondern selbst gestalten und sichtbar machen k\u00f6nnen. Dieses Gef\u00fchl, selbst handeln zu k\u00f6nnen, ver\u00e4ndert die Atmosph\u00e4re innerhalb der Gruppe sp\u00fcrbar. Zwischendurch wird gelacht, improvisiert und ausprobiert. Szenen werden verworfen, neu entwickelt und manchmal spontan ver\u00e4ndert. Aus anf\u00e4nglicher Unsicherheit entsteht nach und nach Spielfreude und der Mut, eigene Erfahrungen auf die B\u00fchne und vor die Kamera zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Projekttag findet wieder an den Oberbarnimschulen statt. Dort schlie\u00dfen die Teilnehmenden die Dreharbeiten der Szene zum Thema Diskriminierung im Klassenraum ab. Anschlie\u00dfend sichten und schneiden sie gemeinsam das entstandene Videomaterial unter dem Titel \u201ePiss Dich!\u201c. Beim gemeinsamen Betrachten des Films wird deutlich, wie intensiv und authentisch die Szene wirkt. Die Jugendlichen sind sichtbar stolz auf ihr eigenes Werk und stellen zugleich fest, dass sie die emotionale Wirkung bewusst selbst provoziert und gestaltet haben. Viele \u00e4u\u00dfern ihre Wertsch\u00e4tzung daf\u00fcr, dass ihnen im Rahmen des Projekts ein gesch\u00fctzter Raum er\u00f6ffnet wird, in dem sie ihre Erfahrungen offen ansprechen und k\u00fcnstlerisch verarbeiten k\u00f6nnen. Einzelne Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler beschreiben das Gef\u00fchl, nicht l\u00e4nger nur von Diskriminierung zu erz\u00e4hlen, sondern ihr etwas entgegensetzen zu k\u00f6nnen. Aussagen wie \u201eHier kann ich endlich zeigen, wie sich das anf\u00fchlt.\u201c oder \u201eIch bin nicht mehr nur hilflos.\u201c machen deutlich, wie wichtig der gesch\u00fctzte Raum des Projekts f\u00fcr viele Jugendliche inzwischen geworden ist. W\u00e4hrend des Schnitts arbeiten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zunehmend eigenst\u00e4ndig. Sie w\u00e4hlen Einstellungen aus, diskutieren Bildfolgen und entscheiden gemeinsam \u00fcber Rhythmus und Wirkung der Szenen. Dadurch wachsen sowohl der Stolz auf das entstandene Werk als auch das Vertrauen in die eigenen F\u00e4higkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gestalten die Jugendlichen fotografische Szenen mit Playmobilfiguren oder Tierfiguren, um unterschiedliche Formen von Diskriminierung im Schulalltag sichtbar zu machen. Mit dem unbewegten Bild entsteht eine weitere Darstellungsebene neben Film und Theater. Als Grundlage und Inspiration dienen wieder die Ergebnisse der zuvor an den Schulen durchgef\u00fchrten Umfrage, die typische Situationen von Diskriminierung im Schulalltag beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch au\u00dferhalb der Workshopzeiten rei\u00dft der Austausch nicht ab. \u00dcber ihren gemeinsamen Chat diskutieren die Jugendlichen Ideen weiter, schicken Fotos, \u00fcberlegen \u00c4nderungen und verabreden sich f\u00fcr den n\u00e4chsten Projekttag. Was als Projektgruppe beginnt, entwickelt sich Schritt f\u00fcr Schritt zu einer Gemeinschaft. Im gemeinsamen k\u00fcnstlerischen Arbeiten entdecken sie Handlungsm\u00f6glichkeiten, wo zuvor h\u00e4ufig Sprachlosigkeit oder Hilflosigkeit erlebt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 4<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am vierten Projekttag treffen sich die Teilnehmenden am Bertolt-Brecht-Gymnasium, um die Abschlusspr\u00e4sentation szenisch weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt stehen Proben von Theaterszenen, die die Fotoausstellung und das entstandene Video miteinander verbinden und inhaltlich erg\u00e4nzen. Dabei \u00fcbernehmen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zunehmend selbstst\u00e4ndig Verantwortung f\u00fcr die Proben, verteilen Texte eigenst\u00e4ndig, entwickeln \u00dcberg\u00e4nge und organisieren einzelne Abl\u00e4ufe selbst. Immer h\u00e4ufiger ziehen sich die Projektleiter bewusst zur\u00fcck und erleben, wie selbstverst\u00e4ndlich die Jugendlichen Verantwortung f\u00fcreinander \u00fcbernehmen. Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Rollen flexibel verteilt und Unsicherheiten gegenseitig aufgefangen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus entsteht ein weiterer Kurzfilm. Darin werden Orte innerhalb der Schule gezeigt, die von den Jugendlichen mit Erfahrungen von Diskriminierung verbunden werden. Erg\u00e4nzt werden die Bilder durch eingesprochene Aussagen aus den Umfrageergebnissen. Gemeinsam bilden Bild und Sprache eine atmosph\u00e4risch dichte filmische Collage, die den Erfahrungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eine eindringliche Ausdruckskraft verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tag 5<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der f\u00fcnfte Projekttag findet an den Oberbarnimschulen statt und bildet den gemeinsamen Abschluss des Film- und Theaterworkshops. Nach letzten Proben, dem Aufbau der Ausstellung sowie der Fertigstellung der Ausstellungstexte bereiten die Jugendlichen gemeinsam mit Astrid Rashed ihre Pr\u00e4sentation vor. Dabei zeigt sich, wie konstruktiv sie zusammenarbeiten. Aufgaben werden gemeinsam \u00fcbernommen, Absprachen eigenverantwortlich getroffen und gegenseitige Unterst\u00fctzung ist l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Anschluss werden die entstandenen Arbeiten im Rahmen einer Vernissage pr\u00e4sentiert. Neben der Fotoausstellung, den beiden Filmen und den Theaterszenen erwartet die Besucherinnen und Besucher ein gemeinsamer Austausch, zu dem kleine Snacks bereit stehen. Den Abschluss bildet eine Performance, in der die gerade pr\u00e4sentierten Situationen von Diskriminierung bewusst durchbrochen und verneint werden. Dadurch entstehen Irritation, Gespr\u00e4chsanl\u00e4sse und neue Perspektiven, die das Publikum dazu einladen, \u00fcber eigene Erfahrungen, Haltungen und Handlungsm\u00f6glichkeiten nachzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wird in diesem Moment sp\u00fcrbar, dass ihre Stimmen geh\u00f6rt werden und ihre Erfahrungen Bedeutung haben. Gleichzeitig nehmen sie die Erkenntnis mit, dass Diskriminierung nicht nur an der eigenen Schule existiert, sondern auch an anderen Schulen thematisiert wird \u2013 und dass gemeinsames Handeln, Offenheit und gegenseitige Unterst\u00fctzung wichtige Schritte auf dem Weg zu einer respektvollen Schulgemeinschaft sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist genau das die wichtigste Erfahrung dieser Woche: Diskriminierung verschwindet nicht dadurch, dass man \u00fcber sie schweigt. Sie verliert jedoch an Macht, wenn Menschen ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam handeln und einander den Mut geben, nicht allein zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dank einer gro\u00dfz\u00fcgigen Finanzierung der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, Dank des F\u00f6rdervereins \u201eFreunde des Brecht-Gymnasiums\u201c e.V. sowie Dank des F\u00f6rdervereins \u201eFreunde und F\u00f6rderer der Oberbarnimschulen\u201c war dieses Projekt \u00fcberhaupt nur m\u00f6glich. Wir m\u00f6chten uns hiermit bei unseren F\u00f6rderern sehr herzlich bedanken!<\/p>\n\n\n\n<p>(Theresa Drechsler, Madlen Benthin, Ulla Steuber)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" data-id=\"15537\" src=\"https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild_Bildbesprechung-1-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15537\" srcset=\"https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild_Bildbesprechung-1-768x1024.jpg 768w, https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild_Bildbesprechung-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/gymnasium-bad-freienwalde.de\/1neuhp\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Bild_Bildbesprechung-1-1152x1536.jpg 1152w, 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